Weisse Büffelkuh





Mit zunehmender Erkenntnis werden die Tiere den Menschen immer näher sein. Wenn sie dann wieder so nahe sind wie in den ältesten Mythen, wird es kaum noch Tiere geben.

Elias Canetti

Zwei Wisente sind im Berliner Großen Tiergarten als lebensgroße Bronzeskulpturen von Thomas Siemering zu finden, stark, einsam und verletzlich. Versteckt liegt einer am Neuen See, ein anderer im „Garten Eden“ (Englischer Garten) nahe der Mauer zum Bundespräsidialamt. Hier begann die Spurensuche nach dem Wisent. Jahrtausende wurde der Wisent von den Menschen gejagt, verehrt, in Höhlenmalereien verewigt, um schließlich nahezu von ihm ausgerottet zu werden: In Europa wurde der letzte frei lebende Wisent 1928 in Polen geschossen. Wissenschaftler bemühten sich, den bison bonatus aus den wenigen Tieren der Zoos mit Einkreuzungen des amerikanischen Bisons neu zu züchten, zu vermehren und auszuwildern, was auch geschehen ist, z.B. im Nationalpark von Bialowicze in Polen und kürzlich im Rothaargebirge. Der Wisent ist ein Bruder des amerikanischen Bison, dessen Schicksal bekannter ist: millionenfach wurde er seit der Eroberung des Kontinents im Kampf um das Land und gegen die Ureinwohner abgeschlachtet. Doch er hat überlebt. Im überlieferten Mythos über die weiße Büffelkuh verschiedener indianischer Völker Nordamerikas bedeutet die Geburt einer weißen Büffelkuh das Zeichen der Hoffnung für die ganze Menschheit. Ende des letzten Jahrtausends hieß es, sie sei geboren worden. So entstanden diese Bilder.